Sonntag, 26. November 2017

Bühne für Banden




Wir sind eine Bande.
Ein Versprechen.
Ein Versuch.
Wir haben jetzt eine Bühne.
Sie ist klein.
Eine Art Black Box.
Ein kleines schwarzes Loch.
Doch Größe ist relativ.
Deshalb kann es auch groß sein.
Oder kann es werden.
Indem es wächst.
Und wir wachsen mit.
Versuchen es zumindest.
Vielleicht explodieren wir.
Vielleicht fallen wir.
Vielleicht legen wir uns hin.
Immer radikal.
Niemals konsequent.
Aber mittendrin.
Berlin ist das Letzte.
Alles andere ist Vorgeschichte.
Nichts wird gesagt.
Alles wird versprochen.
Unverständnis als Prämisse.
Scheitern als Chance.
Liebe in ihrer reinsten Form.
Denn dein ist die Bande.
Und die Schönheit.
In Ewigkeit.
Amen.

(für A.K.)

RADIKAL LIGHT
RADIKAL LIGHT bei FB

Montag, 25. September 2017

Hoch



Unvorbereitet wie wir waren
hatten wir den Gipfel erreicht

die 360° Aussicht auf das Leben
die Furchen im Stein, die Ferne

im Begriff sich ihr zu nähern, ein
sachter Abstieg, Schritt auf Schritt

wird Steingeröll zum Pfad auf dem
Weg ins Tal, unsere Hände ineinander

Montag, 16. Januar 2017

ICH BOXE

Seit einem dreiviertel Jahr begleite ich den Profiboxer Jan Meiser aus Hellersdorf. Entstanden ist ICH BOXE, ein Magazin, Blog und Boxmanagement. Und noch viel mehr. Aber eigentlich ist es ganz einfach: Wir wollen Geschichten erzählen und Geschichte schreiben. Größenwahn ist im Profiboxen durchaus eine der dazu benötigten Zutaten.



Sonntag, 23. Oktober 2016

Bienenelfe I.


Irgendetwas hat sich verändert, fällt auf;
Wenn es still ist, die Heizung sich warm läuft,
die Wärme wohlig, schützend, nicht sommerlich
frei, die Stadt im Begriff sich mit dem Herbst zu
arrangieren, altes aufgetragen und neues nach
Hause getragen, Tür zu, sich dann die Nadel auf
das Vinyl senkt und nicht alles mitschwingt, die
Welt, im Ganzen, all der Schmerz, das Leid, Scham,
wenn es einfach genügt, im Inneren Raum einnimmt,
wenn das zweijährige blonde Mädchen der Nachbarn 
sich nicht mehr hinter den Beinen der Mutter
versteckt, wenn wir uns begegnen, sondern mich
anstrahlt, die Augenblicke, die ankommen, die
Erinnerungen, die sich wie Postkarten aus der
Vergangenheit anfühlen, die Nähe zu mir selbst,
der Moment an jemanden zu denken, die Stille.



Dienstag, 11. Oktober 2016

Welcome to Farewell



I assume you are ready
to know about secrets
to be sweet

It's always a call
to rock shut
to be about swallowed
smelling warm soil in a fox's den
mothers loving tongue

permeated with function
the beauty of chimera
a gift from the past
perceiving form
feeling light

Here it is
my unborn immortality
leaves its shrine
realities becoming somethings
and somethings don't matter
when it's about soul
the universe slides from your side
still expands within
sounds like

„I am your valuable“
„I always was“
„You know us“

leaving last stand gravity
coming to comfort
first
then unique peace
white noise Babel
fades to nothing
a soft stone
just skin

It's you in the first row
the very last curtain
and all burdens of life
mere illusion

still it's all true
in the end
when it comes to conclusion
and light doesn't matter

Now
for sure
in perfect condition
I am


2016, for the Movie "Welcome to Farewell" by Specter Berlin.

Samstag, 21. November 2015

Letzte Runde, aber kritisch!


Irgendwie lernt eins sich kennen. Der eine macht das. Der andere macht das. Der eine fragt "Kennst du den?". Der andere sagt "Ja" und dann "Kennst du den?". Der andere sagt "Ja" und fragt: "Willst du mal als Gast in meine Talkshow kommen?" und ich frage: "Eine Talkshow machst du auch?".

So eine Begebenheit ist natürlich auch der Stadt und dem Umgang geschuldet. In diesem Fall allerdings wurde es konkret. Und natürlich liebe ich Talkshows. Wem geht das nicht so? Aber kritisch. Nicht so wie Richard David Precht das macht. Ich rede auch gerne und gerne viel, versuche es natürlich in Diskurs und konstruktiver Kommunikation auszuleben, aber das gelingt nur zuweilen und bedingt. Der innere Eremit sucht Ausgleich in der Aussenwelt. war schon immer so. Irgendwie. Und so fanden wir uns ein um zu reden, dem Konzept der Sendung geschuldet auch um zu trinken. Eine Menge. So viel, wie eins es eben in einer Stunde packt. Also nicht wenig.

Doch Themen, Haltungen und Aussagen sind keineswegs dem Alkohol geschuldet, sondern waren einfach da, warum zum Beispiel Nazis das mit dem Volk, dem Blut und dem Boden nicht ganz verstanden haben, warum es Kunst ist, was Scheitern genau sein soll, was es mit Nacktyoga für Dicke auf sich hat, warum Christopher Lauer eine Nulpe und ein One-Trick-Wonder und Till Lindemann noch nicht durch mit seiner Mutter ist. Also wesentlich unwesentliches und wichtig unwichtiges.

Aber es gab auch Lerneffekt: Bei direkter Beleuchtung, im Sinne von hochwattiger Bestrahlung über einen längeren Zeitraum, empfehle ich bei alkoholgeschwängerten Bildaufzeichnungen ein dunkles Hemd zu tragen. Und es gab Einsichten: Irgendwo wäre jetzt hier vielleicht der Moment, an dem sich jemand bei jemanden entschuldigen sollte, bei jemanden, der unserer kurzen Fahrt durch Kreuzberg das Fehlen seines Aussenspiegels zu verdanken hat ("Hält er an? Hält er an?", "Nein er fährt weiter"). Doch ich war a) nur Beifahrer und b) wirklich nur sehr widerwillig zugestiegen. Doch mahnend mitzufahren schien mir die generöseste, logischste, verantwortungsvollste und selbstverständlich betrunkenste Option, also stieg ich, immerhin in einen Mercedes-Benz. Zusammen mit dem Alkohol, die einzigen Dinge, die mir ein Gefühl von Sicherheit vermitteln konnten. Alles andere war einfach nur besoffen. So wie der ganze Tag.



Und hier alle vier Teile

Dienstag, 13. Oktober 2015

Wie selten wir wachsen



zusammen, gemeinsam, kollateral 
an uns selbst, über uns hinaus, heraus,
Wildwuchs, wuchernd aus Narben im
Geschichtsgestein, klaffen Wunden in
Fleisch und Schädeldecke, Wasser in
der grünen Lunge, salzig, wie die Erde nun
einmal ist, verpacken Glück in Zeitmessung,
nennen wir es Hoffnung, die Kerbe im
Türrahmenholz, der Gedanke an ein Zuhause,
sicher, geborgen, wie ein kleines Kind
im Winter, in Daune wattiert.


Freitag, 28. August 2015

Lektion in Demut, Danke Sophie Hunger!



Heute spielt Sophie Hunger im Berghain. Das Ganze im Rahmen eines Festivals. Eingebettet wird jetzt ja alles. 2010 hat Frau Hunger mit einem Auftritt mir eine wichtige Lektion erteilt. Der folgende Text erschien damals im Blank Magazin:

Im Dezember bei Sido war es hier nicht so voll. Und nicht so schön. Siebenundzwanzigster Mai. Astra Berlin. Viele Brillen. Viele Grüppchen aus drei oder vier Frauen. Auszüge eines Indie-Publikums. Radio-Fritz oder MotorFM-Hörer. Selten stilsicher, heute abend jedoch zielsicher am richtigen Ort. Der Schlagzeuger einer deutschen Indie-Band humpelt mit Gips und Krücken vorbei. Respekt. Auf dem Immergut musste der Sänger deshalb wahrscheinlich Geschichten lesen. Dann Sophie Hunger. Alles stimmt. Licht. Sound. Die begleitenden Musiker. Alles schlicht, zurückhaltend, alles um Fräulein Hunger kreisend. Man fühlt sich schlecht und gut. Man fühlt sich ertappt und ausgeleuchtet. Die intime Unnahrbarkeit ihrer Bühnenpräsenz macht einen still und starr staunend. Man fängt an zu ahnen warum man doch erst einmal hier und noch nicht beim heute stattfindenden Mitte-Szene-Event mit Lykke Li ist. Da wo alle sind. Die ganzen Kontakte. Das Geld. Es treibt an. Es zieht weg. Die alte Angst etwas zu verpassen oder Gruppenzwang oder, wie man auch öfters sagt: Biz. Nach nicht mehr als fünf Songs machen wir uns auf.

Zehn Minuten Taxi in eine andere Welt, der Empfang, die Gästeliste, das weitläufig hergemachte Ambiente; das Raumkonzept aus großen Quadern, die labyrinthisch angeordnet den Weg zu Bar, Bühne und Präsentationsfläche weisen. Dort steht ein Auto. Ab und an setzt sich jemand rein. Ab und an poliert jemand die Fingerabdrücke weg. Ab und an trifft man jemanden, den man nicht scheiße findet. Es gibt Whiskey Sour: Bourbon, Zitronensaft, Limette und Zuckersirup. Keine Ahnung was drin ist. Und Wieviel. Er schmeckt etwas sauer. Doch es gibt auch Bier. An einer anderen Bar. Näher am neuen Volvo. Ich glaube er war weinrot. Eine Art von Weinrot. Ich mag Volvo. Lykke Li war schon auf der Bühne. Drei Songs. Jemand sagt es waren mindestens gefühlte sechs Songs. Egal. Weit nach Mitternacht kommt sie nochmal auf die Bühne. Für gefühlte zwei Songs. Ein paar Beats. Ein bisschen posieren. Ist ja gut, wir haben verstanden. Heute keine Burka als Bühnenshowelement? Das ist der Gegenentwurf. Schnöder Hype. Für eine Entscheidung und Tat wie die meine, an diesem Abend, für diesen Akt der Verweigerung zugunsten schnöder Dekadenz und konsumistischer Beliebigkeit, wird man in anderen Kulturen erschossen. Nochmal Glück gehabt. Schämen und lernen!

Foto, wie in diesen Jahren damals quasi fast immer: Matthias David. Volvo wurde mittlerweile chinesisch, Lykke Li zu einem One-Hit-Wonder und das Astra Teil einer No-Go-Area. Was eine verrückte Welt. Sophie Hunger macht nach wie vor wundervolle Musik.